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You better choose technology based on facts, not hypes, trends or buzzwords

von Striped Giraffe Team
12. Mai 2021
Lesezeit: 9 Minuten
Interview

IT-Buzzwords stellen nur Trends dar, keine Lösungen

Softwarelösungen und die ihnen zugrunde liegenden Technologien entwickeln sich immer schneller. In diesem Zuge wird die IT-Welt ständig mit neuen, in Buzzwords verpackten Hypes überflutet, auf die sich viele IT-Manager stürzen. Manche sehen sie als Erfolgsgarant in der zunehmend vom internationalen Wettbewerb geprägten digitalen Welt.

Doch wie erfolgsversprechend sind Technologietrends wirklich? Wie können Sie populäre Buzzwords entlarven? Welche Aspekte sollten Sie bei der Wahl der Technologie berücksichtigen? Wir haben diesen Fragen mit Mariusz Święs, Chefarchitekt bei Striped Giraffe, diskutiert.

 
Tech-Trends und Buzzwords entmystifiziert
 

Stellst du bei Geschäftskunden oft fest, dass sie sich von Buzzwords beeinflussen lassen?

Mariusz Święs, Chefarchitekt bei Striped Giraffe: Zunächst einmal müssen wir uns vor Augen führen, dass der Innovations-Druck auf die Führungskräfte von Organisationen immer größer wird. So ist es wenig überraschend, dass sich viele Manager bei der Suche nach neuen Technologien von aktuellen Trends und Buzzwords beeinflussen lassen.

Allerdings ist es wenig hilfreich, einer gehypten Technologie hinterher zu rennen, ohne sich über die Vorteile für das eigene Unternehmen, die Umsetzbarkeit oder gar die Gesamtbetriebskosten (TCO) bewusst zu sein. Zudem sollte man berücksichtigen, wie sie sich auf die langfristige Entwicklungsstrategie einzelner Systeme oder der gesamten IT-Umgebung auswirken wird.

Oft führen solche Technologien zu hohen Kosten. Und damit meine ich alle Arten von Kosten, einschließlich verschiedener Ressourcen, die zur Implementierung und Wartung der Lösung benötigt werden. Da kann es schnell passieren, dass die insgesamt anfallenden Kosten den Nutzen deutlich übersteigen.

Auch wenn disruptive Lösungen für Innovation stehen, können sie doch unverhältnismäßige Risiken bergen. Zum Beispiel erfordert der Aufbau einer Microservices-basierten digitalen Plattform eine große Anzahl von DevOps-Ingenieuren und anderen Fachleuten, die sich mit Infrastruktur, Automatisierung usw. auskennen. Und hier stellt sich die Frage, ob man sich all diese Experten leisten kann und vor allem, woher man sie bekommt.

Wir beobachten, dass wegen all dieser Buzzwords DevOps-Ingenieure im Moment sehr gefragt sind. Das steigert natürlich ihren Wert beträchtlich. Deswegen kostet so ein Experte deutlich mehr als ein erfahrener Programmierer oder sogar ein hoch-qualifizierter Java-Entwickler.

Und doch erliegen viele Unternehmen den versprochenen Vorteilen, die alle Probleme lösen sollen.

Genau. Viele neue Technologien lassen sich mit einem „WOW-Effekt“ präsentieren. Oft folgt erst viel zu spät die Ernüchterung in Form von zu hohen Kosten, mangelnde Integrierbarkeit in die IT-Landschaft, ausbleibendem Nutzen für das Business etc.

Daher rate ich dringend, genau zu überprüfen, ob es für den jeweiligen Technologie-Trend, bereits praktische Beispiele von professionellen Implementierungen in der spezifischen Branche oder in Organisationen mit einem ähnlichen Geschäftsmodell gibt.

Willst du damit sagen, dass nicht jede neue Technologie für jedes Unternehmen oder jede Branche geeignet ist?

Ja genau. Microservices sind zum Beispiel hervorragend für große Unternehmen, die Hunderttausende oder Millionen von Kunden bedienen. Die Modularität einer solchen Lösung verleiht ihren kundenorientierten Systemen eine hohe Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und die Fähigkeit, Änderungen schnell zu implementieren.

Kleinere Unternehmen hingegen verfügen hingegen seltener über umfangreiche IT-Abteilungen und ausreichende Budgets für die Entwicklung. Daher sollten sie diese Lösung eher nicht in Betracht ziehen. Ein solches dezentrales System ist für sie in Bezug auf Infrastruktur und Prozesse zu komplex. Um eine Microservices-Architektur zu implementieren und zu warten, müssten sie ein großes Team von Fachleuten mit den entsprechenden Kenntnissen und Fähigkeiten zusammenstellen. Die Beauftragung eines erfahrenen IT-Partners wäre eine Alternative. Leider sind beide Optionen für kleinere Unternehmen oft nicht unbedingt erschwinglich.

Für solche Unternehmen kann es schneller und günstiger sein, mit einer monolithischen Anwendung zu beginnen. Und sobald das Geschäft eine ausreichende Größe erreicht hat und das Unternehmen bereit für Veränderungen ist, kann das System auf Microservices migriert werden.

… wenn Microservices dann noch in sind, da sich Trends und zugrundeliegende Technologien schnell weiterentwickeln.

Das ist richtig. Schauen wir uns doch mal einen weiteren Trend an: Headless Commerce. Jeder sagt, dass es eine bessere und flexiblere Architektur bietet, weil es keinen Monolithen gibt, bei dem das Frontend untrennbar mit dem Backend verbunden ist.

Die Einführung einer Headless-Architektur erfordert jedoch die Verlagerung vieler Backend-Funktionen auf das Frontend. Dadurch müssen die Frontend-Komponenten verstärkt auf Technologien wie Angular, React oder Javascript zurückgreifen.

Leider ändern sich Frontend-Technologien ständig. Was vor zwei Jahren noch ein Hit war, ist heute schon passé. Wenn sich Unternehmen also für Headless Commerce entscheiden, sollten sie sich über diese Konsequenzen im Klaren sein. Sie müssen sich darauf einstellen, dass nach einiger Zeit weitere Änderungen notwendig sein können. Und das bedeutet neue Kosten.

Andererseits müssen sie nicht ständig mit allen neuen Lösungen auf dem neuesten Stand sein. Wenn die derzeit eingesetzte Software für ihr Unternehmen hervorragend funktioniert, hat es keinen Sinn, eine neue Technologie zu implementieren, nur weil sie gerade im Trend liegt.

Würdest du demnach das beharrliche Verfolgen von Trends als schlechte Praxis bezeichnen?

Sicherlich ja, wenn man Trends unreflektiert folgt.

Viele Unternehmen haben den Drang, sich als innovativ zu präsentieren. Alleine dafür entscheiden sie sich oft für Änderungen, die weder der Organisation noch den Kunden einen großen Nutzen bringen – nur weil sie den Anschein von Innovation erwecken. Noch schlimmer ist es, wenn diese Änderungen signifikant sind und viel Geld verschlingen, man aber gar keine klare Vorstellung davon hat, was man damit eigentlich erreichen möchte.

Trends kommen und gehen sehr schnell. Sie im Blick zu haben, ist per se nichts Schlechtes. Oft genug bieten neue Technologien effiziente Lösungen. Während einige nach kurzer Zeit wieder in der Versenkung verschwinden, können andere revolutionäre Veränderungen mit sich bringen und Unternehmen wichtige Wettbewerbsvorteil verschaffen. Diese Gelegenheit sollte man nicht verpassen. Allerdings sollte man diese Trends wie gesagt genau unter die Lupe nehmen, was wiederum viel technisches Verständnis und Zeit beansprucht.

Was ist bei der Bewertung von Trends und der Auswahl von Technologien zu beachten?

Neben den beworbenen Vorteilen der innovativen Lösungen sollten Unternehmen vor allem diese Aspekte berücksichtigen:

  • Wie passt diese Technologie zu den Geschäftszielen und der Strategie des Unternehmens?
  • Wie hoch sind die Kosten für die Implementierung und spätere Wartung der Technologie?
  • Welche Fähigkeiten und Ressourcen werden benötigt?
  • Wie wird die Technologie mit anderen Systemen und Prozessen im Unternehmen verknüpft?
  • Welcher Return on Investment (ROI) ist zu erwarten?
  • Und schließlich, wie schwierig wird es sein, die Technologiestrategie zu ändern und in Zukunft auf eine andere Lösung umzusteigen?

Es ist wichtig, Trends als Möglichkeiten zu betrachten und nicht als Richtlinien, die dem Unternehmen Maßnahmen vorschreiben. Nur weil man mal irgendwo gelesen hat, dass eine neue Technologie in den nächsten Monaten oder Jahren besonders populär wird, heißt das nicht, dass man sie sofort übernehmen sollte.

Zuallererst sollte man sicher sein, dass die Technologie zum Business passt. Schließlich soll die Innovation die Geschäftsstrategie unterstützen und sie nicht auf den Kopf stellen.

Aber manchmal ist ein Trend oder eine Technologie so disruptiv, dass sie zu einer Änderung der Strategie oder des Geschäftsmodells führt.

Das kann durchaus vorkommen. Von Zeit zu Zeit tauchen globale Trends auf, die nicht nur die IT-Landschaft, sondern auch unsere Art Geschäfte zu machen verändern.

Wir sehen das zum Beispiel deutlich im B2B-Bereich, wo es einen wachsenden Trend gibt, dass Einkäufer Self-Service über E-Commerce-Plattformen bevorzugen. Traditionelle Wege der Kundenbetreuung, die vor allem auf persönlichen Interaktionen basieren, werden zunehmend durch Online-Kanäle ergänzt oder sogar ersetzt.

B2B Commerce E-Book

Und wie siehst du hier die Rolle eines externen IT-Partners?

Einerseits sollte ein erfahrener IT-Partner seine Kunden darüber informieren können, was aktuell in der Softwareentwicklung passiert – welche Trends sie im Auge behalten sollten und welche für ihre Branche oder ihr Unternehmen nicht relevant sein werden. Anstatt also online nach Informationen zu suchen, sollten sie für eine zuverlässige Auskunft besser ihren Dienstleister fragen.

Auf der anderen Seite besteht die Rolle eines vertrauenswürdigen IT-Partners darin, den Kunden die Auswirkungen der Einführung der jeweiligen Technologie auf das eigene Unternehmen zu erläutern. Das ist alles andere als trivial.

Unsere Erfahrung zeigt, dass wir unseren Kunden zu Beginn oft erklären müssen, worum es bei der neuen Technologie tatsächlich geht und was ihre Implementierung beinhaltet. Da wir außerdem die Besonderheiten unserer Kunden, die Größe ihres Unternehmens, ihre Ressourcen und Fähigkeiten kennen und ihre IT-Architektur und -Strategie verstehen, können wir sie zuverlässig beraten und abschätzen, ob die von ihnen in Betracht gezogene Lösung überhaupt sinnvoll ist.

Aber es ist kein Geheimnis, dass IT-Dienstleister maßgeblich dazu beitragen, Trends und Buzzwords zu forcieren. Wie wirkt sich das auf die Zusammenarbeit mit Kunden aus?

Das kommt durchaus vor. Viele Lösungsanbieter, vor allem die größeren, leben davon, neue Trends zu kreieren und zu vermarkten oder sich einfach damit zu schmücken. Sie versuchen, ihre Kunden mit trendigen Buzzwords zu überzeugen, anstatt zu prüfen, ob die neue Technologie für ihr Unternehmen überhaupt geeignet wäre. Das kann entweder auf reine Profitgier oder auf mangelndes Wissen in diesem Bereich zurückzuführen sein. Aufgrund der Unsicherheit entscheiden sich diese Anbieter dann einfach, einem Trend zu folgen anstatt ihn zu bewerten.

Zum Abschluss unseres Gesprächs: Gibt es einen Rat, den du unseren Lesern geben möchtest?

IT-Systeme, vor allem auf Konzernebene, sind nichts, was man willkürlich ersetzen oder umbauen kann, nur weil sich Trends geändert haben. Und das passiert in einem schwindelerregenden Tempo. Ich kann nur empfehlen, Technologietrends von einem Experten bewerten zu lassen, bevor man viel Geld in eine angesagte Lösung investiert, nur um zu deren Vorreitern zu gehören.

Es gibt ein Sprichwort, das besagt, dass nicht die Technologie selbst den Wettbewerbsunterschied ausmacht, sondern wie man sie einsetzt.

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